Heilig Abend

Heilig Abend

In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen und schwindenden Vertrauens in staatliche Institutionen setzt Heilig Abend ein künstlerisches Zeichen für Dialog, Reflexion und Zivilcourage.

Es ist Heiligabend. Judith, eine Philosophie-Professorin, wird auf dem Weg zu ihren Eltern verhaftet. Der Vorwurf: Sie soll gemeinsam mit ihrem Ex-Mann um Mitternacht einen Terroranschlag geplant haben. Was folgt, ist kein gewöhnliches Verhör – sondern ein 90-minütiges psychologisches Duell mit dem Ermittler Thomas, der über sie alles zu wissen scheint: ihre Arbeit, ihre Gedanken, ihre E-Mails. Sprache wird zur Waffe. Argumente zur Verteidigung. Das Publikum zum Zeugen eines moralischen Experiments. Wie weit darf der Staat gehen, um Sicherheit zu gewährleisten? Wie weit darf ein Mensch gehen, um seiner Überzeugung treu zu bleiben? Das Stück verhandelt ein Spannungsfeld, das aktueller kaum sein könnte – Freiheit und Kontrolle, Wahrheit und Manipulation, individuelle Überzeugung und staatliche Macht. Es verdichtet im Kleinen, was in der Gesellschaft im Grossen geschieht: die Erosion des Dialogs, die Vermischung von Meinung und Schuld, das wachsende Misstrauen in Institutionen. Eine Einladung, das Gespräch wieder aufzunehmen – über Fragen, die längst nicht mehr abstrakt sind. Heilig Abend ist Kammertheater in seiner konzentriertesten Form: zwei Menschen, ein Raum, keine Ausweichmöglichkeit – für die Figuren und das Publikum.

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